Wie viele Lost Places schafft man an einem Tag? Teil 4 – Das Vitalhotel

Nachdem es bei zwei Lost Places hintereinander keinen Zugang ins Innere gab, war ich schon etwas enttäuscht. Doch es gab noch einen Lost Place auf meinem Zettel. Doch so wirklich glaubte ich nicht mehr daran, noch irgendwo reinzukommen.

Vor dem verlassenen Hotel angekommen, schien sich diese Befürchtung zu bewahrheiten. Bis auf ein wenig Graffiti an der Wand, gab es keinerlei Hinweise auf Vandalismus und somit wohl auch keine Möglichkeit reinzukommen. Nicht falsch verstehen – ich hasse Vandalismus. Doch so blöd das auch klingt, aber oft öffnen die Vandalen uns Fotografen die Tür zu den Lost Places. So ging es weiter herum um das Hotel auf der Suche nach eingeschlagenen Scheiben oder Türen. Und was sah ich? Ein Schwimmbad – schon wieder. Diesmal war klar, ich musste rein. Unbedingt. Es musste doch ein Schlupfloch geben. Im Schwimmbad war etwas Graffiti an der Wand, was mich wieder hoffen ließ, dass es irgendwo reinging. Ich klebte an der Scheibe zum Schwimmbad, völlig entzückt.

Doch ein Blick ums Eck lohnte sich. Mein Herz hüpfte vor Freude – die Hintertür stand offen! Nix wie rein. Ich fand mich im ehemaligen Bäder- bzw. Spabereich des Hotels. Mit Solarium, Sauna, Bädern und Schwimmbad. Alles völlig ohne Vandalismus. Die Hoffnung, ein Lost-Places-Juwel gefunden zu haben, stieg. Doch beim Betreten des 1. Stockwerks wurde diese Hoffung jäh zerstört. Sinnlos umgeworfene Bücherrregale, zusammengeschlagene Einrichtung. Warum?! Die ehemaligen Hotelzimmer waren größtenteils leer. Es musste jemand angefangen haben, das Hotel sanieren zu wollen. Die Waschbecken und Duschkabinen der Zimmer waren sorgfältig abgebaut und ins Zimmer gelegt worden.

Am Ende ging es in die ehemalige Küche. Teilweise lagen hier noch Dosen und Essensreste herum. Im Aufenthaltsraum der Angestellten hing sogar noch ein Pullover über dem Stuhl und eine Handtasche lag auf einem weiteren Stuhl. Als ob die Mitarbeiter Hals über Kopf alles stehen und liegen gelassen hätten. Alles in Allem war dieses Hotel ein toller Lost Place. Teilweise von Vandalismus verschont, teilweise übel zerstört. Selten habe ich an einem Ort so gegensätzliche Zustände gesehen. Da es langsam dunkel wurde, war es Zeit, das Hotel zu verlassen und sich wieder auf den Heimweg zu machen.

Somit war der Tag dann doch noch recht erfolgreich und spannend. Dies war der letzte Teil der Lost Places-Tagesreise.

Die Geschichte des Vitalhotels: 1976 wurde das Vitalhotel damals noch als Reha-Klinik eröffnet. Im Jahr 1995 erfolgte ein Anbau. Im Februar 2002 schlug dann auch hier die Kurkrise zu und die Reha-Klinik musste Insolvenz anmelden. Im Rahmen der Insolvenzabwicklung wurde die Reha-Klinik zu einem Drei-Sterne-Hotel umgenutzt. Das Schwimmbad war nun sogar öffentlich zugänglich und das Hotel ziemlich gut ausgebucht. Ein Erfolg für den Kurort. Doch im Jahr 2008 musste nun auch das Vitalhotel schließen. 2009 kaufte ein ukrainisches Ehepaar das Hotel, rückte noch im selben Jahr mit Containern an und begann, das Gebäude auszuräumen. Doch ihre Spur verliert sich und die Arbeiten wurden gestoppt. Sie sind bis heute verschollen und das Hotel sich selbst überlassen.

Diesen Beitrag gibt es auch auf meiner Homepage jessisfotobox.wordpress.com.

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13 Gedanken zu “Wie viele Lost Places schafft man an einem Tag? Teil 4 – Das Vitalhotel

    • Oja, das hab ich auch gedacht. Alles fertige Sachen, die da auch im Keller rumgestanden sind. Nix mit frischer Küche und selbst gemacht. Auf Dauer geht sowas nicht gut. Das Resultat sieht man ja… Freut mich, dass es dir gefällt, vielen Dank 😊

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  1. Na also geht doch ! Freut mich für dich, dass du doch noch einen Volltreffer gelandet hast.
    Das mit den Fertiggerichten ist mir auch aufgefallen. Maggi , Pfanni alles vertreten ! Den Beitrag habe ich auf deiner Seite mir angeschaut um die Fotos auch vergrößern zu können. Ein toller Lost Place und mit Hallenbad was will man mehr. Was du von den Zimmern geschrieben hast, dass sanitäre Anlagen fachkundig entfernt wurden, das habe ich mal in einem verlassenen Hotel in Griechenland gesehen. Hier sah es aus wie auf einer Baustelle. Ich vermute dem Besitzer ist dann das Geld ausgegangen für die Renovierung. Zementsäcke ect. , Bauwerkzeug und vieles mehr lag dann einfach so rum, also eine verlassene Baustelle innerhalb des Hotels.
    VG Manni

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    • Das war bestimmt auch interessant in Griechenland. Doppelt lost quasi. Einmal ein verlassenes Hotel und dann noch eine verlasse Baustelle im Hotel 😉 Ja, bin echt froh, dass sich doch noch eine offene Tür gefunden hat. Wenn mir zwei Schwimmbäder entgangen wären, hätte ich das wohl nicht verkraftet 😂 War echt ein toller Lost Place. Ist immer wieder interessant, hinter die Kulissen schauen zu können. Und so entdeckt man eben auch, was da so alles serviert wurde…

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    • Sehr cool! Aber auch etwas unheimlich. Hab ich doch erst vor kurzem von einem Lost Place geträumt, der genauso ausgesehen hat, wie das Herrenhaus am Anfang! Aber krass, dass es da auch so viele Lost Places in unmittelbarer Nähe gibt

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      • Ach, das ist ja verrückt.
        In Schleswig-Holstein ist es tatsächlich etwas schwierig mit Lost Places (die Bücher Bruckmann Dark Tourism Guide sind da sehr hilfreich).
        Ich bin nächster Woche in meiner alten Heimat Thüringen und wir haben einen Fototour in der Sophienheilstätte gebucht. Endlich mal offiziell und ohne Angst, dass jemand hinter der nächsten Ecke auftaucht 🫣. Ich werde berichten 😬.
        Einen schönen Sonntag noch, 🙋🏻‍♀️🐶

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      • Wow, das ist bestimmt interssant 👍 Eine gebuchte Lost Places Fototour steht bei mir auch Ende Mai an. Eine verlassene Papierfabrik. Da bin ich auch ma gespannt. Wird bestimmt cool. Das gleiche Buch hab ich zu Weihnachten geschenkt bekommen von unserer Gegend. Da stehen tatsächlich paar Geheimtipps drin, die ich bisher auch nicht kannte. Bin mal gespannt auf deine Fotos von der Sophienheilstätte 😉

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      • Klasse, da bin ich auch gespannt auf deine Fotos von der Papierfabrik. (Das ist vielleicht der gleiche Anbieter, da gibt es auch solch eine Fabrik im Angebot 🤔)
        Wir waren im letzten November (Beitrag kommt noch 🙄) schon mal vor Ort, haben uns die Heilstätte aber nur von außen angesehen, das war schon beeindruckend. Nun bin ich schon sehr aufgeregt, auf diese Tour. Und das spannendste daran ist, dass mein Opa damals selbst Patient dort war. Leider kann er jetzt nicht mehr davon berichten, hat früher aber immer mal davon erzählt. Ich gehe praktisch auf Spurensuche 😀, das macht es noch aufregender.
        Liebe Grüße 🙋🏻‍♀️🐶

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      • Wow, das ist ja richtig cool, wenn man sogar einen persönlichen Bezug dazu hat. Der Anbieter heißt go2know. Ist meine erste Tour über die. Mal schauen wie es wird. Bin auch gespannt auf deine Bilder 🙂

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      • Ja, genau, das ist tatsächlich der gleiche Anbieter. Ist auch für mich auch das erste Mal. Die Beelitzer Heilstätten werden ja leider nicht mehr angeboten, obwohl die auch ziemlich überlaufen und ausfotografiert waren.
        Ich bin sehr gespannt. 🙋🏻‍♀️🐶

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